Fachveranstaltung 2025: «ROS B5 – In der Vollzugseinrichtung intervenieren»
Im September 2025 führte IGAplus in Kooperation mit der ROS-Administration den zweitägigen Kurs «B5 – In der Vollzugseinrichtung intervenieren» speziell für aussenorientierte Vollzugseinrichtungen durch. Die Weiterbildung bot praxisnahe Handlungsansätze für risikoorientierte Interventionen im Alltag der Institutionen, vertiefte das Verständnis der ROS-Prozesse und unterstützte die Teilnehmenden dabei, Anforderungen im Zusammenhang mit den Mindeststandards zur konkordatlichen Anerkennung gezielt zu erfüllen.
IGAplus Erfahrungstagung 2024: «Standards – sind doch das Mindeste»
Am 29. November 2024 nahmen rund 40 Fachpersonen aus aussenorientierten Institutionen an der Erfahrungstagung der IGAplus zur konkordatlichen Anerkennung privater Vollzugseinrichtungen teil. Im Zentrum stand der Praxisdialog zum Tagungsthema «Standards? Sind doch das Mindeste!», mit Inputs von Mirja Cattin, Leiterin der Geschäftsstelle der konkordatlichen Auditorganisation, sowie den bereits auditierten Institutionen Freihof Küsnacht und Occasio GmbH.
Aus den engagierten Diskussionen hielt der Vorstand der IGAplus folgende zentrale Erkenntnisse fest:
- Die Mindeststandards haben die Qualitätssicherung in der Vollzugslandschaft gestärkt und private Einrichtungen deutlich sichtbarer gemacht.
- Bei neuen Anbietern werden konkordatliche Anerkennung und kantonale Vollzugsbewilligung zunehmend aufeinander abgestimmt – bestehende Probleme sind erkannt und in Bearbeitung.
- Der Einbezug von Vollzugsexpertinnen und -experten in Audits ist ein Schlüsselfaktor für konstruktiven Austausch und Best-Practice-Lernen zwischen Institutionen.
- Justizklientel erfordert einen anderen Rahmen als zivilrechtliche oder IV-Platzierungen; diese Unterschiede müssen Teams wie Klientel klar vermittelt werden, verbunden mit einem klaren Selbstbild der Institution bezüglich Zielgruppe und Angebot.
- Die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben ist aufwändig, insbesondere bei wenigen Forensikplätzen; hier kann die Prüfung einer Forensikpauschale sinnvoll sein.
- Der Schulungsbedarf noch nicht auditierter Institutionen kann teilweise über E-Learnings des SKJV gedeckt werden.
- Sind keine ROS-Unterlagen vorhanden, obliegt es der Institution, risikoorientierte Problembereiche zu erarbeiten, sie mit der einweisenden Behörde abzugleichen und meldepflichtige Vorkommnisse klar zu definieren; vertiefte Kenntnisse der ROS-Prozesse gelten als Bestandteil zeitgemässer Vollzugsarbeit.
- Kenntnisse über die ROS-Prozesse sind Bestandteil einer zeitgemässen Vollzugsarbeit. Für Mitglieder der IGAplus wird im September 2025 ein spezifischer Kurs zu Interventionen im aussenorientierten Vollzug angeboten.
IGAplus Tagung 2018: «Übergangsmanagement – Den Übergang in die Freiheit wirksam gestalten»
Die IGAplus-Tagung 2018 war dem Thema «Übergangsmanagement» gewidmet und fand mit rund 50 Teilnehmenden in der Strafanstalt Witzwil statt. Mit Wolfgang Wirth, Leiter des Kriminologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen, referierte ein ausgewiesener Fachmann, der auf umfangreiche, über Jahre systematisch erhobene Daten und Statistiken aus dem grössten deutschen Bundesland zurückgreifen konnte.
Wirth zeigte auf, dass etwa die Hälfte aller Rückfälle innerhalb der ersten sechs Monate nach der Entlassung geschieht und wie entscheidend eine sorgfältige Gestaltung dieser Phase ist. Übergangsmanagement müsse dabei deutlich über klassische Entlassungsvorbereitung hinausgehen und als Netzwerkaufgabe verstanden werden, in dem Fachpersonen aus Justizvollzug, Gemeinden und Arbeitsvermittlung eng zusammenarbeiten, damit Massnahmenpläne nahtlos in die Zeit nach der Haftentlassung hineinwirken.
Besonders betonte Wirth die Bedeutung einer gemeinsamen Sprache über Institutionsgrenzen hinweg sowie die Notwendigkeit empirischer Erfolgskontrolle, um Wirkung sichtbar zu machen und den Diskurs über den Strafvollzug zu versachlichen. Die Tagung bot damit wertvolle Impulse für ein koordiniertes, datenbasiertes Übergangsmanagement im aussenorientierten Vollzug.