Qualität im aussenorientierten Vollzug
Aussenorientierte Vollzugsformen verbinden Freiheitsentzug mit schrittweiser Öffnung, Arbeit, eigenständiges Wohnen und sozialer Integration. Sie bewegen sich damit im Spannungsfeld von Sicherheit, Rückfallvermeidung und Lebensweltorientierung der Klientel. Gerade hier sind transparente Qualitätsstandards zentral: Private und staatliche Institutionen übernehmen hoheitliche Aufgaben und müssen rechtliche, fachliche und organisatorische Anforderungen verlässlich erfüllen.
Rolle von IGAplus
IGAplus entwickelt keine eigenen Standards, sondern unterstützt Einrichtungen dabei, bestehende Vorgaben fachlich fundiert umzusetzen. Dazu gehören insbesondere die Mindeststandards zur Erlangung der konkordatlichen Anerkennung für private Vollzugseinrichtungen sowie die Anforderungen der konkordatlichen Auditorganisation.
Drei Ebenen der Qualitätssicherung
Qualität im aussenorientierten Vollzug zeigt sich auf mehreren, eng miteinander verknüpften Ebenen:
- Allgemeine betriebliche Anforderungen
Dazu gehören klare Organisationsstrukturen, qualifiziertes Personal, transparente Zuständigkeiten sowie verlässliche interne Abläufe. Sie bilden den Rahmen, in dem Entscheidungen nachvollziehbar getroffen, Risiken eingeschätzt und rechtliche Vorgaben eingehalten werden können – von Auftragsklärung und Dokumentation bis zu Krisenmanagement und Meldewegen. - Spezifische Anforderungen an den Vollzug
Im Mittelpunkt steht eine risikoorientierte Arbeitsweise, wie sie etwa im risikoorientierten Sanktionenvollzug (ROS) verankert ist. Sie geht über das blosse Erfüllen von Standards und Formularen hinaus, indem sie Legalbewährung und Rückfallvermeidung systematisch in den Blick nimmt: Risikoabklärungen, fallbezogene Ziele, abgestufte Interventionen und laufende Überprüfung der Wirkung bilden einen zusammenhängenden Prozess. - Anforderungen der sozialen Integration
Aussenorientierter Vollzug soll nicht nur Risiken begrenzen, sondern auch soziale Teilhabe fördern. Interventionen der Sozialen bzw. sozialtherapeutischen Arbeit orientieren sich an der konkreten Lebenslage der Klientel – etwa Wohnen, Arbeit, finanzielle Situation, Beziehungen und Gesundheit – und zielen auf Ressourcenstärkung, Anleitung zur Verhaltensänderung und realistische Perspektiven im sozialen Umfeld. Qualität zeigt sich hier darin, wie gut institutionelle Vorgaben und lebensweltliche Realitäten zusammengebracht werden.
Unterstützung für Mitgliedsinstitutionen
IGAplus begleitet Mitgliedsinstitutionen individuell bei Unsicherheiten in der Auslegung und Umsetzung von Standards – etwa bei Fragen zur Delegation hoheitlicher Aufgaben, zur Abgrenzung von Verantwortlichkeiten oder zur Dokumentation risikorelevanter Ereignisse. Die Unterstützung erfolgt über kollegiale Austauschtreffen, Erfahrungstagungen sowie über spezifische Weiterbildungen, beispielsweise zu ROS-gestützten Interventionen im aussenorientierten Vollzug.
Ein zentrales Anliegen ist dabei, Qualitätsanforderungen nicht nur als Kontrollinstrumente zu verstehen, sondern als Grundlage für professionelle Entwicklung.
IGAplus fördert eine Haltung, die Standards mit praktischer Erfahrung, lebensweltorientierten Zugängen und empirischer Rückmeldung verbindet – mit dem Ziel, Sicherheit und Integration im aussenorientierten Vollzug nachhaltig zu stärken.